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Leseprobe

Andreas Monschein
Regulatorischer Bedarf und regulatorische Möglichkeiten von Hedge-Fonds im internationalen Kontext

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1 Einleitung

1.1 Motivation und Zielsetzung
Hauptuntersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sind der Regulierungsbedarf sowie die Regulierungsmöglichkeiten von Hedge-Fonds (1) im internationalen Kontext. Regierungen, Aufsichtsbehörden, Finanzintermediäre und die Medien führen aktuell eine sehr emotionale Diskussion über die Rolle von Finanzinvestoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Im Vordergrund stehen dabei die möglichen systemischen Gefahren, welche von Hedge-Fonds ausgehen und die weltweite Finanzmarktstabilität gefährden. Im Kontext mit den jüngsten Krisenszenarien, wie beispielsweise dem Beinahe-Kollaps des LTCM (2) im Jahr 1998 oder dem Fall des Hedge-Fonds Amaranth Advisors im September 2006, wird immer wieder die These postuliert, dass Hedge-Fonds durch ihre Aktivitäten für das Auftreten vergangener Finanzkrisen verantwortlich seien. Ferner kommt den Hedge-Fonds aufgrund der Dynamik der Branche eine beharrlich größer werdende Bedeutung zu. Dies ist mitunter zu erkennen, verdeutlicht man sich beispielsweise vergangene Einflussnahmen des Hedge-Fonds TCI (3) auf die Deutsche Börse oder auf die Großbank ABN Amro (4). Aus diesen Gründen entbrennen immer wieder Diskussionen um die Notwendigkeit einer Regulierung von Hedge-Fonds und die damit verbundenen Regulierungsmöglichkeiten.
Selbst die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten (5) setzten sich mit dieser Thematik auf ihrem Gipfeltreffen in Heiligendamm Anfang Juni 2007 intensiv auseinander. In einer gemeinsamen Erklärung konnten sich die G8-Staaten lediglich auf einen vagen Appell zum Umgang mit Hedge-Fonds einigen. Auf konkrete Vorschläge zum Umgang mit den bisher weitgehend unregulierten Hedge-Fonds legte man sich nicht fest. Somit bleibt die milliardenschwere Branche vorerst weitgehend unreguliert. Mit das größte Problem möglicher Regulierungen sind die umfassenden Ausweichmöglichkeiten der Hedge-Fonds in andere juristische Standorte sowie die Umgehung der rechtlichen Rahmenbedingungen mittels strukturierter Produkte wie Hedge-Fonds-Zertifikaten.
Da keine international einheitlichen Standards bestehen und vermutlich auch in unmittelbarer Zukunft kein Konsens über eine mögliche Regulierung der Hedge-Fonds-Branche erfolgt, setzt sich diese Arbeit, aufbauend auf den gesetzlichen Grundlagen, umfassend mit dem Regulierungsbedarf sowie den Regulierungsmöglichkeiten auseinander.

1.2 Aufbau
Um der Zielsetzung gerecht zu werden, wird bei dieser Arbeit wie folgt vorgegangen. Kapitel 2 führt den Leser zunächst zum Generalthema Hedge-Fonds hin. Nach dem Versuch einer begrifflichen Abgrenzung des Hedge-Fonds-Sektors erfolgt eine kurze Darstellung der historischen Entwicklung der Branche. Anschließend werden die aktuellen Marktstrukturen der Hedge-Fonds determiniert und deren Charakteristika beschrieben. Das erste Kapitel, welches eine allgemeine Übersicht von Hedge-Fonds vermitteln soll, schließt mit einer Darstellung der möglichen Anlagestrategien ab. Darauffolgend werden in Kapitel 3 ausführlich die gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Regelungen für Hedge-Fonds erläutert. Aus rechtshistorischen Gründen erfolgt diesbezüglich zunächst eine Zweiteilung der Darstellung der deutschen Regelungen. Zunächst wird die Rechtslage vor Einführung des Investmentgesetzes geschildert, wohingegen anschließend auf die aktuell gültige Rechtslage in Deutschland eingegangen wird. In diesem Zusammenhang werden sowohl Ausweichmöglichkeiten mittels Hedge-Fonds-Zertifikaten erörtert als auch ein rechtsvergleichender Blick in die USA und in das europäische Ausland vorgenommen. Abschließend wird auf die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland eingegangen. Die nächsten zwei Kapitel befassen sich umfassend mit den zentralen Themen der Arbeit, nämlich dem Regulierungsbedarf und den Regulierungsmöglichkeiten. Kapitel 4 analysiert demnach zunächst die von Hedge-Fonds ausgehenden Risiken für die Finanzmarktstabilität sowie für die Investoren. Ferner werden dem die positiven Auswirkungen der Hedge-Fonds gegenübergestellt. Zum Abschluss wird abgewogen, ob und hinsichtlich welcher Perspektiven sich ein Regulierungsbedarf ergibt. Anschließend ergründet Kapitel 5 ausführlich die möglichen Alternativen einer Regulierung der Hedge-Fonds. Es wird unterschieden in direkte und indirekte Regulierungsmöglichkeiten.
Die einzelnen Alternativen werden hinsichtlich ihrer Wirkungen und internationalen Implementierbarkeit beschrieben und eingehend beurteilt.
Zum Abschluss wird in Kapitel 6 ein Fazit bezüglich der Regulierung der Hedge-Fonds-Branche präsentiert.

    Fußnoten
    (1) Oftmals werden auch andere Schreibweisen wie „Hedge Funds“ oder „Hedgefonds“ verwendet.
    (2) LTCM ist die Abkürzung für „Long Term Capital Management“.
    (3) TCI ist die Abkürzung für „The Children’s Investment Fund“.
    (4) Vgl. o. V.: ABN Amro steht Kraftprobe bevor, in: Handelsblatt, Nr. 38, 22.02.2007, S. 21
    (5) Die G8-Staaten setzen sich aus den 7 führenden Industrieländern sowie Russland zusammen.