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Edda Heyken
Erinnerungen an den Bosnienkrieg:
Fluchterfahrungen, Identität und Zugehörigkeit von Bosniern in Berlin
Reihe: Berliner Beiträge zur Ethnologie, Band 31

Weißensee Verlag Berlin, Mai 2014, 140 Seiten, 28,90 €
ISBN 978-3-89998-219-0

Zur Buchreihe

Über das Buch:
Die Erinnerungen an Krieg und Flucht wiegen besonders schwer und verlangen von den Betroffenen im Umgang mit diesen nicht nur Energie, Behutsamkeit und Sensibilität, sie beeinflussen auch ihren Tagesablauf. Teilweise ist die Schwere der Vergangenheit so erdrückend, dass das Individuum ganz davon vereinnahmt wird und von einem normalen Alltag nicht mehr die Rede sein kann.
Auf die Frauen und Männer, die vor den Auswirkungen des Bosnienkrieges nach Berlin geflohen sind, trifft diese Beschreibung sehr häufig zu. Bereits während der Desintegrationsprozesse Jugoslawiens
und spätestens seit Ausbruch des Krieges erfolgte eine Umwälzung der sozialen Wirklichkeit, welche die Lebensrealität der Bewohner stark beeinflusste. Durch den langjährigen Aufenthaltstitel als „Geduldeter“ wurde das erfahrene Leid in Deutschland intensiviert und machte es den Betroffenen unmöglich, die Vergangenheit ruhen zu lassen.
Diese Arbeit veranschaulicht die unterschiedlichen Formen der Vergangenheitsannäherung bosnischer Flüchtlinge in Berlin, ihre Beeinflussung durch bestimmte Alltagssituationen sowie ihre Relation zu biografischen Hintergründen, Generation und Geschlecht.
In dieser Arbeit soll herausgearbeitet werden, wie die am meisten vom Krieg betroffene Gruppe der Bosnier heute mit den Erinnerungen an die Kriegs- und schwere Ankunftszeit in Berlin umgeht. Es soll v.a. beleuchtet werden, welchen Einfluss bestimmte Situationen bzw. Stressoren auf die Rekonstruktion der Ver-gangenheit haben. Insbesondere soll hier der Bezug zwischen bewussten und unbe¬wussten Erinnerungen (in Form von Posttraumatischen Belastungsstörungen) hergestellt werden. Nach den extremen gesellschaftlichen und individuellen Umbrüchen ist von einer Krise oder einem Bruch der kollektiven und indi¬viduellen Identität auszugehen. Entsprechend wird die Kontinuierung des Gedächtnisses unterbrochen, über welches sich Einzelpersonen zu Trägern einer Kultur definieren. Als Auslöser einer Identitätskrise oder im schlimmsten Fall eines Identitätsbruchs wird in dieser Arbeit zum einen der Verlust der alten Lebenswelt definiert, das Wegfallen der bisherigen gesellschaftlichen Position und die mangelnden Möglichkeiten, sich aufgrund von Sprachbarriere, Arbeits¬verbot etc. einen neuen Alltag schaffen zu können. Zum anderen gibt die Erzählperspektive des Informanten Aufschluss darüber, ob problematisch oder unproblematisch erinnert wird und ob die Vergangenheit in die Biografie integriert wurde oder nicht. Es lässt sich anhand der Analyse des Narrationsstils feststellen, ob z.B. chronologisch, instrumentalisiert, verfestigt, lebendig oder abrupt erinnert wird. Es wird der These nachgegangen, dass die Verhandlung des Identitätsbruchs als Indikator für den aktuellen Umgang mit der persönlichen Vergangenheit zu betrachten ist.

Edda Heyken studierte Sozial- und Kulturanthropologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Radboud Universiteit Nijmegen und der Freien Universität Berlin. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Auswirkungen von Kriegen auf die kulturelle Identität der Gesellschaften Südosteuropas.